Der Tanz des Himmels mit der Erde
Ich
möchte Sie auch ganz herzlich zu der Ausstellung von
Diana Prokot begrüßen. Es ist der Tanz des Himmels und der Erde, der Tanz der
Sonne mit dem Mond, bei dem Schmuck eine ganz besondere
Rolle im Austausch spielt, wie uns alte asiatische Kulturen
erzählen. Schmuck und dessen Herstellung dient der
Balance, dem Gleichgewicht zwischen Himmel und Erde und so auch der Balance
zwischen den Menschen und den kosmischen Kräften. Zum Austausch von Beziehungen,
zum Ausdruck von Nähe und Freundschaft, bei besonderen Familienanlässen
wie auch Übergangsriten, Initiationen oder bei der Hochzeit wird Schmuck überreicht
- oder auch um Streit zu schlichten.
Durch die Lichtbrechung in Kristallen sehen manche Völker den Dialog mit
den übernatürlichen Kräften. Ihre Kraft wirkt durch das Licht,
das sich darin bricht. Die universellen Energieströme in Form von Licht
und Farbe gehen in den Körper ein.
Kristalle und Edelsteine stellen auch die Sterne als Symbole des Himmels dar.
Diamanten werden in Indien zum Beispiel als die Tränen der Götter
bezeichnet. Der Rubin (das kommt von dem Wort ruber - Rot) gilt als der Blutstropfen
aus dem Herzen der Mutter Erde. Gold steht für die Sonne. Es ist ein besonders
heißes Edelmetall. Goldschmieden kommen somit besondere Kräfte zu;
sie werden als besondere Menschen angesehen, die das besonders heiße
Edelmetall bearbeiten. Dies wird als ein bißchen gefährlich angesehen
- es muß abgekühlt und mit den Kräften der Erde verbunden werden.
Sie sind die Mittler zwischen Ober- und Unterwelt. Ihnen kommt daher eine ganz
besondere Stellung zu. Bei solcher Bearbeitung von Edelsteinen und Gold werden
zuweilen auch Riten mit Tanz und Musik abgehalten.
Wenn Diana Prokot die Edelmetalle bearbeitet, läßt sie bei ihrer
Arbeit nur positive Gedanken zu. Alle negativen Gedanken werden ausgeschaltet
und vermieden, so daß nur positive Gedanken mit in die Arbeit einfließen.
Hier in der Ausstellung sind etwa 50 Schmuckstücke zu sehen. Der Schwerpunkt
ist dabei der Ring. Die meisten Arbeiten werden aus vielen kleinen Teilen zusammengesetzt.
Sie werden so zu einer ganzen Konstruktion, zu einem ganzen Körper. Sie
sind genietet und gelötet aus dünnen Metallblechen, die vorher auch
auseinandernehmbar sind, sie werden dann aneinandergefügt.
Es sind kleine Plastiken in rippenförmiger Konstruktion, und so wird eine
Geschlossenheit immer wieder aufgebrochen. Sie besitzen eine Leichtigkeit und
Lustigkeit. Durch die Aufbrechung der Geschlossenheit, durch diese Durchlässigkeit,
wird auch ein freier Blick auf den Schmuckstein möglich, der sich frei
entfalten kann.
Viele Ringe bilden ein Ganzes. Es ist nicht ein Ringkörper mit einer Fassung,
sondern aus vielen Teilen wird zusammen ein ganzes Objekt hergestellt - eine
ganze Einheit.
Diana Prokot läßt das Licht ein- und ausatmen, sich bewegen, angepaßt
in Gold, Silber und Weißgold. Die Leichtigkeit des Daseins der Stücke
wird noch unterstützt durch das Metall Titan. Zum Beispiel bei einem Rosenquarzring
oder bei "der Kühle in Strahlen mit hellblauem Topas". "Der
Japaner" genannt.
Konventionelle Edelsteine wie Rosenquarz und Rauchquarz und Steine, die wir
aus den 50er Jahren kennen, werden die heutige Zeit geholt, also in einen modernen
Zusammenhang gestellt.
Es entstehen spannende Dialoge zwischen den Metallen und den geschliffenen
Edelsteinen. Amethyst, Chrysophras und Bergkristall stehen in einem neuen Zusammenhang,
in einem anderen Licht da. Auch werden ungewöhnliche Mineralien von ihr
bearbeitet, z.B. der Iolith - der blau-violette Stein. Es geht bei ihren Arbeiten
um Harmonie und Disharmonie. Gold und Silber in Kombination mit dem Stein hebt
sich von einander ab, bekommt eine Spannung und auch wieder eine Ausgewogenheit.
Gold und Silber konkurrieren und harmonieren. Ihre Arbeiten sind zum Anfassen,
Tragen, zum Anfühlen und es sind Dinge in Bewegung, das heißt: Es
bewegt sich im Licht. Dabei werden Kleinkörper mit dem Edelstein auf einer
Achse eingesetzt, die dann beim Tragen hin- und herschwingen. Wie der Ring
in Bewegung, der sogenannte "Schiffchenring". Ihre Schmuckstücke
sind vielfältig, verschieden und haben Witz und Humor. Z.B. der Autoring
Chadilac mit den vier Rücklichtern.
Sie erzählt auch Geschichten - zuweilen völkerverbindend. Vier Menschen
aus verschiedenen Nationen malen ein Quadrat. Das verbindende Ergebnis ist
dann ein Schmuckstück. Auch läßt Diana Prokot immer eine besondere Symbolik mit einfließen.
Z.B. der Trichula-Anhänger, der klassische Dreizack aus dem indischen
Kulturkreis, der die Einheit von Körper, Geist und Seele symbolisiert
und ein Fruchtbarkeitssymbol als Anhänger mit bewegtem Stein.
Die indische Schutzgöttin Devi bekommt einen eigenen Schutz, gleich einem
kleinen Altar. Auf Schmuckstücken der indischen Göttin sind Familien-Gottheiten
dargestellt, die oft auch in ländlichen Gegenden verehrt werden. Sie gelten
auch als Fruchtbarkeitssymbol im jahreszeitlichen Zyklus für die Felder,
also der Fruchtbarkeit der Erde, aber auch für die Fruchtbarkeit der Menschen.
Die Kombination von Gold und Silber ist auch zu sehen im sogenannten "ungleichen
Paar" (Ohrringe) und dem "Fenster mit Aussicht" - oder es wird
die "Ansicht der ersten Aufteilung der Erde" dargestellt. Dieses
Stück heißt "Jerusalem".
Andere filigran gebaute Stücke mit integrierten Leuchtdioden aus der Reihe
der "8 Nachtgroschen" erinnern an futuristische Architektur.
Doch die Beweglichkeit im Licht, die filigrane Leichtigkeit der Objekte, den
Tanz von Gold und Silber im Dialog mit den Edelsteinen als einheitliches Ganzes
muß man auf sich selbst wirken lassen. Bei der Betrachtung der Stücke in
dieser Ausstellung wünsche ich Ihnen viel Spaß.
> Text
zu der Ausstellung von Diana Prokot
»Kann man tragen -
Schmuckstücke« am Erdrand
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